Mit Musik etwas bewegen?

Nosliw
Anspieltipp: „Nazis raus“

Jetzt kommen wir von Soul zu Reggae/Dancehall. Nosliw ist ein Geheimtipp meines Bruders. Der 1975 in Bonn geborene Nosliw (eigentlich: Eric Alain Wilson) begann 1991 mit englischsprachigem Hip-Hop. Er widmete sich ab 1995 mit seiner damaligen Band D.U.G. (Die Unendlichen Gedichte) dem deutschsprachigen Hip Hop. Nosliw ging auch schon mit anderen deutschen Reggae-Größen wie Seeed oder Gentleman auf Tour. Im März 2009 erschien sein dritter Longplayer „Heiss & Laut“, ein reines Dancehall-Album. Auf die Frage hin, ob er mit seiner Musik etwas verändern könne, sagt er: „Ich glaube, dass ich etwas verändere, weil ich so viele Leute erreiche, dass es bei jemanden funken muss. Das ist einfach mathematisch so.“
Außer für seine Wahrscheinlichkeitsrechnungen mögen wir Nosliw für seine kritischen und durchaus mutigen Texte. Dabei schafft er es, die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit zu halten – und von beidem besitzt er eine große Portion.

http://www.myspace.com/nosliw/music

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Vorsicht: Glashaus!


Glashaus
Anspieltipps: „Es tut so weh“, „Haltet die Welt an“

ist eine deutsche Soulband (gegründet 1999) unter Vertrag bei dem Label 3P, welches von Moses Pelham gegründet wurde. Die Band begleitete mich durch meine Jugend. Eine gute Freundin hatte mich einmal auf sie aufmerksam gemacht. Pelham produziert unter anderem Sabrina Setlur, aber und Xavier Naidoo, bis diese im Rechtsstreit auseinander gingen. Die zwei weiteren Bandmitglieder von Glashaus sind Martin Haas und die 1980 geborene Cassandra Steen. Sie war bis 2008 die weibliche Stimme der Band. Eine offizielle Trennung gab es nie. Cassandra Stehen ist solo sehr erfolgreich. Seit 2003 arbeitet die Deutsch-Amerikanerin auch mit Curse, Tone, Bushido, Freundeskreis und Xavier Naidoo zusammen. Glashaus hat sich inzwischen Ersatz für Steen geholt: Peppa, hübsch und talentiert. Doch der königlichen Steen das Wasser zu reichen scheint unmöglich.

http://www.myspace.com/glashaus

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Songtexte brauchen Farbe

Maeckes

Anspieltipp: „Graustufenregenbogen“

Wer sagt eigentlich, es gäbe nicht viele gute deutsche Bands und Sänger? Bei meiner Recherche nach guten Texten bin ich jedenfalls auf diesen hier gestoßen: Maeckes. Der Rapper (1982 bei Stuttgart geboren) hat Charisma, große blaue Augen und interessante Texte. 2010 wurde der Song Graustufenregenbogen über das Online-Portal schülerVZ veröffentlicht. Es ist die erste Single aus dem Album „KIDS“ und handelt vom Sehnen nach dem einfachen Glück der Kinder. „Kindisch bedeutet für mich, in einem bestimmten Moment genau das zu tun, was man möchte.“, sagt Maeckes in einem Interview. Man darf sicher gespannt sein, was man in Zukunft noch so von ihm hören wird. Denn eines steht fest: Da ist noch viel Platz nach oben.

http://www.myspace.com/maeckes237

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Fragwürdiges Comeback

Sabrina Setlur
Anspieltipp: „Lass mich los“

(1974 in Frankfurt am Main geboren) ist die eigenwillige Tochter zweier indischer Einwanderer und zugleich Deutschlands populärste und erfolgreichste Rapperin (2 Mio. verkaufte Platten, 3 Echos). Vier Jahre war es still um die talentierte Künstlerin. Dann startete sie mit neuer Kraft ein Comeback mit ihrem inzwischen 6. Album „Rot“. Aber Partymusik passt nicht zu der attraktiven Sängerin. Vielleicht ein Grund, warum das Album floppte? Songs wie die Single „Lauta“ und „Discolampen“ wirken kommerziell, einfach unecht. Wir wollen die alte Setlur! Die starke Frau mit den direkten Texten und der wütenden Stimme. Ist das neue Album nur bestückt mit discotauglichen Hits? Setlur kann zwar auch mit den schnellsten Beats mithalten. Aber viel besser beherrscht sie doch das Gefühl. Darum sind wir froh, dass wir Songs finden wie „Lass mich los“ in Korporation mit Sebastian Hämer. Also, Sabrina: Schmeiß die Hummel-Sonnenbrille weg! Wir wollen keine coole Fassade, nur deine ehrlichen Worte.

http://www.myspace.com/sabrinasetlur

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Ein poetischer Rebell

Pascal Finkenauer
Anspieltipps: „Zu glatt“, „Mittendrin“

(1977 in der Nähe von Mainz geboren) ist auch deutscher Sänger und Songwriter – aber auf eine ganz andere Weise als Poisel, der doch mehr der Romantik angehört. Finkenauer ist Sturm und Drang – neu definiert. Radikal. Offensichtlich oder versteckt. Aufmerksam bin ich auf ihn geworden, als ich den Song „An Tagen wie diesen“ hörte, der zusammen mit Fettes Brot entstand. Finkenauer hat drei Alben veröffentlicht. Sein Stil ist schwer zu kategorisieren. Die Texte haben meist eine Botschaft an die Zuhörer oder erzählen von seinen Erfahrungen. Der „postmoderne Liedermacher“ möchte zweifelsfrei etwas bewegen. Dabei will er auch gerne anecken, wachrütteln, dieser Finkenauer. Die Presse bezeichnet ihn als „Punkchansonnier“. Das darf sie. Er macht seine Sache gut und polarisiert. Dabei erfindet er sich immer neu. Er ist eben ein cleverer Rebell. Finkenauer ist so gut, dass man sich manchmal nicht richtig sicher ist, ob man seine Texte richtig klasse findet oder es weh tut …

http://www.myspace.com/pascalfinkenauer/videos

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Neuentdeckung: Songwriter mit viel Sehnsucht

Philipp Poisel
Anspieltipps: Für keine Kohle dieser Welt, Wie soll ein Mensch das ertragen

Vor kurzem stieß ich im Internet durch Zufall auf Philipp Poisel, deutscher Sänger, Jahrgang 1983. Poisel wurde von Herbert Grönemeyer entdeckt und unter Vertrag genommen. Poisels Texte sind unglaublich gefühlvoll und ehrlich. Er schafft es wie kein zweiter, mit seinen Worten mitten ins Herz zu treffen und das zu sagen, was man selbst oft nicht auszudrücken vermag. In all seinen Songs wohnt eine Melancholie, eine ganz eigene Sehnsucht inne, die ebenso rauchig und zerbrechlich ist wie seine Stimme. 2008 erschien sein erstes Album „Wo fängt dein Himmel an?“, 2010 folgte „Bis nach Toulouse“. Von diesem Album möchte ich euch das Lied: „Für keine Kohle dieser Welt“ vorstellen und elegant die Verbindung vom Thema Lyrik zum Reisen schlagen.

http://www.myspace.com/philipppoisel

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Interview mit der Blog-Gründerin

Interview mit Sarah Magdalena NickelChristina König stellte der Sarah Magdalena Nickel (Autorin vom Lyrikband  „Blütenblätter“) Fragen zur Inspiration, Vorbildern und Reimen im 21. Jahrhundert.

 

C.K.: Hallo Sarah. Warum hast du eigentlich diesen Blog gegründet?

Ganz einfach: aus Liebe zu guten lyrics. Die Welt braucht mehr davon!

C.K.: Du kennst dich ja mit dem Schreiben gut aus. Was mich einmal interessieren würde: wie und wann schreibst du denn Gedichte?

S.M.N.: Die Gedichte kommen auf mich zu. Wenn ich keine Inspiration habe, lasse ich den Stift einfach liegen. Das kann schon mal Monate dauern. Es gibt auch keine besondere Tagesform. Besonders gut klappt es aber, wenn ich den Kopf frei habe, etwa kurz nach dem Aufwachen (grinst).

C.K.: Also schreibst du nicht unter Zwang?

S.M.N.: Auf keinen Fall.

C.K.: Ist Lyrik eine Sache des Talents?

S.M.N.: Talent ist sicher wichtig. Es steckt aber auch viel Arbeit dahinter. Ich feile sehr lange an den Texten. Dann lasse ich sie wie guten Wein „gären“. Wenn ich nach einer Weile darüber schaue, kann ich aus dem Abstand heraus besser Korrekturen vornehmen.

C.K.: Woher nimmst du deine Inspiration?

S.M.N.: Aus meiner Umwelt. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und lausche den Gesprächen in der Bahn. Mich inspirieren besonders Musik, die Natur, Bar-Abende und Menschen, die einer Leidenschaft nachgehen.

C.K.: Wo schreibst du deine Gedichte? Ich stelle mir eine junge Frau an ihrem Schreibtisch vor …

S.M.N.: Nicht unbedingt. Wenn mir ein guter Einfall kommt oder es in meinem Kopf zu reimen beginnt, mache ich mir Notizen. Wenn ich gerade unterwegs bin, greife ich auch schon einmal zum Handy.

C.K.: Echt? Das hätte ich nicht erwartet. Apropos Handy: schreibst du auch SMS in Reimform?

S.M.N.: Nein, das kommt nicht vor.

C.K.: Aber du achtest in deinen SMS auf Rechtschreibung?

S.M.N.: (denkt nach) … Ja, wenn ich so überlege: in der Tat.

C.K.: Noch einmal zurück zu deinen Gedichten. Du schreibst in sehr traditioneller Form. Deine Gedichte reimen sich …

S.M.N.: Ja. Ich bin ein großer Freund des Rhythmus (lacht). Deswegen höre ich auch gerne auf Songtexte. Ab und zu ertappe ich mich dabei, wie ich die Reimpaare der Lieder analysiere.

C.K.: Welche deutschsprachige Band oder welchen Musiker findest du besonders gut?

S.M.N.: Clueso. Ich mag seine Metaphern. Das habe ich übrigens mit meinem Bruder gemeinsam. In ihm schlummert auch ein Talent für Reime.

C.K.: Und welchen Intellektuellen (egal ob tot oder lebendig) würdest du gerne mal treffen?

S.M.N.: Schwere Frage. Ich wollte gerne einmal den Dalai Lama sehen. Das habe ich vor ein paar Jahren in Sydney getan – purer Zufall, ehrlich gesagt. Er war sehr locker und richtig humorvoll. Das hatte ich gar nicht erwartet …

Noch jemanden? Als Persönlichkeit finde ich auch Gandhi sehr interessant: überhaupt Menschen, die keinen begrenzten Horizont haben und nicht die Erwartungen anderer Menschen erfüllen wollen. Da gab und gibt es viele tolle Beispiele in der Geschichte: in Literatur, Kunst, Musik, Politik und der Wissenschaft.

C.K.: Woher nimmst du die Kraft, schon so jung so viel auf die Beine zu stellen?

S.M.N.: Es muss wohl aus meinem Inneren kommen (lacht). In meinem Kopf wuselt es nur so an Ideen. Wir wissen es nicht besser, aber gehen wir davon aus, wir leben nur einmal … dann verdammt: Lasst uns anfangen! Man weiß ja nie, wann das Leben zu Ende ist. Und ja, ich möchte mir später nicht einmal vorwerfen, dass ich in meinem Leben etwas versäumt hätte. Dazu gehört es auch, die Zeit hier zu genießen. Wenn ich im Sterbebett liege, möchte ich gerne grinsend zu meinen Enkeln sagen: Und genau so würde ich es wieder tun!

C.K.: Wie finden es deine Freunde, dass du schreibst?

S.M.N.: Viele sind stolz, eine Autorin in ihrem Freundeskreis zu haben (grinst). Meine Freunde unterstützen mich in meinem Vorhaben. Das finde ich echt klasse!  Überhaupt habe ich die besten Freunde. Sie sind immer für mich da. Das ist so viel wert!

C.K.: Was werden wir in diesem Jahr noch von dir hören bzw. lesen?

S.M.N.: Im Frühjahr soll der zweite Teil des Neuseeland-Reiseberichtes erscheinen. Alles Weitere ist geheim. Ihr dürft gespannt sein …

C.K.: Möchtest du noch irgendetwas anfügen?

S.M.N.: Schmeißt die Fernseher weg! Lebt eure Träume!

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